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 Die Geschichte der Burg-Apotheke

Im September 1637 stellt der Apotheker Casparus Schröder aus Salzwedel - damals ein Ausländer, da die Altmark zum Kurfürstentum Brandenburg gehörte - einen Antrag auf Einrichtung und Betreibung einer Apotheke in Lüchow. Lüchow und Dannenberg waren Herzogssitze mit entsprechenden Verwaltungsstrukturen und Personal.

 

Um ihre Gesundheit bevorzugt besorgt, ließen die Herrscher gern einen Arzt und Apotheker in ihren Städten etablieren. Diese versorgten nicht nur den Hofstaat sondern auch Teile der wohlhabenderen Bevölkerung.

 

Also, 1637 bestand lediglich die Absicht, in Lüchow eine Apotheke zu gründen. Aber erst 1691 erscheint die erste Nachricht dass die Apotheke in Lüchow auch tatsächlich existierte. Vermutlich wurde die Anlagegenehmigung - das Privileg - von der Herzogin Sybilla, Tochter des Herzogs Wilhelm, seinerzeit Witwe und in Lüchow residierend, höchstpersönlich erteilt. Insofern ist die heutige Bezeichnung Burg-Apotheke sehr zutreffend, da die Herzoginwitwe dort nahe in der Burg wohnte. Ob dieses Privileg Casparus Schröder aus Salzwedel erhielt - das ist nicht überliefert. Da kommt schon eher Ernst Leopold Andreae in Betracht, der 1673 als der Fürstin Witwe Hofapotheker bezeichnet wird. Wie lange Apotheker Andreae in Lüchow wirkte, bleibt unbekannt ebenso die Dienstzeit seines Nachfolgers, Apotheker Andreas Wapener, der jedoch 1693 in Lüchow verstarb. Woher sie stammten, wo sich der Standort der Apotheke befand und wie sich der Aufbau der Apotheker vollzog, dies Alles bleibt im Dunkel der Geschichte.

 

Sicher überliefert ist die Geschichte ab 1691: Am 3. November 1691 wurde dem herrschaftlichen Apotheker zu Lüchow durch die Landesregierung die Licentfreiheit auf Roggen-Malz und Schlachtvieh für den Eigenverbrauch sowie auf ein Ohm Wein und ein Ohm Franzbranntwein zur Herstellung von Medikamenten erteilt.

 

Es ist dies der älteste Beleg für die Existenz einer Apotheke in Lüchow. Der herrschaftliche Apotheker hieß Christian Reinhold. Er wurde 1666 geboren und starb am 1. 1. 1739. Wie lange die Apotheke schon 1691 bestanden hatte, ist heute nicht mehr zu ermitteln. In Analogie zu Apothekengründungen in anderen Städten können wir wohl als Mindestalter rund 300 Jahre annehmen.

 

Der Standort der Apotheke ist genau bestimmbar. Die ehemalige herrschaftliche Apotheke, damals Reinholzhaus „auf der Burgstraße“, wurde nach den Feststellungen von U. Manecke, Celle 1858, auf Erbzins gegeben.

 

Im Jahre 1709 kaufte der „königliche Apotheker“ Christian Reinhold die Apotheke für 311 Taler. Der Standort der heutigen Burg-Apotheke ist also traditionsreicher Boden in der Stadt Lüchow. Reinholds Sohn, Friedrich Christian, übernahm wahrscheinlich um 1720 die väterliche Apotheke.

 

Zwischen der Apotheke und dem damaligen Lüchower Handel bestand eine Spannung, die den Apotheker zu einer Beschwerde 1779 veranlasste über die Kramer-Amtsgenossen wegen Handels mit Apotheker-Waren. Der Materialist (Gemischtwarenhändler) Buschkamp verstieß fortwährend gegen das Regulativ vom 3. Oktober 1736. Immer mehr griff das Übel um sich. Reinhold versuchte zunächst eine gütliche Einigung, jedoch ohne Erfolg.

 

Daraufhin nahm Reinhold die behördliche Hilfe in Anspruch. Die Rechtslage war klar, und die Kramer wurden unter Androhung schwerer Geldstrafen verwarnt. Aber die Regierung in Hannover blieb bei der Strafandrohung.

 

1802 kam es durch den Apotheker Carl Leopold von Uslar wieder zu einer Beschwerde „wegen Stöhrung der Nahrung“. Lange Schreiben gingen zwischen dem königlichen und kurfürstlichen Staatsministerium und den Lüchower Kaufleuten hin und her. Die Regierung entschloss sich im September 1802, den ganzen Handel der sogenannten Apotheker-Waren nicht zu gestatten. Der Magistrat von Lüchow wurde aufgefordert:

 

„Den Krämern und Kaufleuten anzubefehlen, dass sie sich solches bei Vermeidung unangenehmer Verfügung und ordnungsmäßiger Strafe gehörig zur Vorschrift dienen lassen.“

 

Am 24. April 1811 wurde Lüchow fast völlig durch eine Feuersbrunst zerstört, der auch die Apotheke zum Opfer fiel. Als eines der ersten Häuser wurde die Apotheke wieder am alten Platze errichtet. 1812 fand die erste Revision nach der Katastrophe statt.

 

Im Jahre 1820 ging sie in die Hände der in Lüchow gut bekannten Familie Sandhagen über. In den Jahren 1830 und 1841 wurde die Apotheke umgebaut und mit neuen Gefäßen ausgestattet, wie aus später aufgefundenen Handwerker-Aufzeichnungen hervorging. Ein Teil der 1841 vorhandenen Standgefäße wurde zur Errichtung einer Filialapotheke in Wustrow verwandt.

 

1884 übernahm der aus Lüneburg kommende Apotheker Herrmann Weckmann die Apotheke. Nach seinem Tode im Jahre 1891 verwaltete der Apotheker Herrmann Stratmann die Apotheke bis 1899. Nach der Heirat der Witwe Weckmann kaufte er der Tochter aus erster Ehe, Emilie Weckmann, die Apotheke ab. Am 29. Juli 1899 erhielt er die persönliche Konzession zum selbständigen Betreiben der Apotheke. Er leitete sie bis zu seinem Tode im Jahre 1921.

 

Für den erst in der Ausbildung stehenden Sohn Walter Stratmann wurde die Apotheke bis 1934 verwaltet. Walter Stratmann übernahm die Apotheke am 1. 7. 1934. Nach dem Kriege gab er der Apotheke den Namen „Burg-Apotheke“, ein Name, der sich aus der Lage und Geschichte ergab. In den Jahren bis 1970 wurde sie mehrfach umgebaut und erneuert.

 

Am 29. Mai 1971 starb Walter Stratmann, worauf sein Sohn für ein Jahr für seine Mutter die Apotheke betrieb. 1972 wurde die Apotheke von Grund auf erneuert und am 1. Juni 1972 von Walter Stratmann übernommen.

 

Im Jahr 2010 übergab Walter Stratmann die Burg-Apotheke nach insgesamt 111 Jahren des Familienbesitzes der Stratmanns an den Apotheker Dr. Alexander Schmitz aus Dannenberg. Er betreibt bereits die Apotheke Seepassage in Dannenberg, wobei die Burg-Apotheke künftig eine Filial-Apotheke der Dannenberger Apotheke wird.

 

Apotheken sind zwar wirtschaftliche Gebilde aber nicht nur. Insbesondere Apotheken mit langer Tradition – wie die Burg-Apotheke - werden anders von den Apothekern wahrgenommen. Es besteht sozusagen eine moralische Verpflichtung, derartige Apotheken mit langem Geschichtshintergrund als etwas Besonderes, weiterhin zu Bewahrendes anzusehen und zu behandeln. Auch Apotheker Dr. Schmitz wird sich dieser Verantwortung nicht entziehen und sein Bestes zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Burg-Apotheke geben.